Mittwoch, 22. August 2007

Jetzt endlich ist es nach langer Anlaufzeit, Prüfungen und Schriftverkehr doch soweit gekommen: Ich bin seit 18.08. tatsächlich in Jerusalem. In den letzten Tagen habe ich so viele Eindrücke in mich aufgesogen, dass mir die Zeit hier schon sehr lang vorkommt, obwohl es doch bisher nur 5 Tage sind.
Um euch einen kleinen Einblick zu geben, werde ich einfach einige erste Eindrücke hier festhalten:
Begonnen hat alles wie gesagt am 18.8. Ich wurde von meiner Familie nach Berlin zum Flughafen gebracht und unter Aufsicht eines Panzerwagens und einiger deutscher Polizisten mit MGs am verbarrikadierten Terminal C abgeliefert. Und wie konnte es auch anders sein, ich wollte ja immerhin nach Israel. Drinnen setzten sich die Sicherheitsvorkehrungen fort. Ich musste zwei Gespräche auf Englisch mit unterschiedlichen Grenzbeamten führen, die mich eine halbe Stunde über alles mögliche ausquetschten: was ich in Israel wolle, ob ich mein Gepäck alleine gepackt hätte, ob ich irgendwelche Kontakte dort bereits haben würde, wie das mit der Finanzierung aussieht, usw. Alles in allem eine prägende Erfahrung, die mir gezeigt hat, wie es wohl vor einigen Jahren noch an der innerdeutschen Grenze zugegangen sein muss. Letztlich durfte ich aber meiner Wege ziehen und erreichte nach 4 Stunden Pflug am Abend endlich Tel Aviv, von wo ich mit einem Sammeltaxi dann nach Jerusalem weitergefahren bin. Ziemlich fertig, durchgeschwitzt (hier sind gerade im Durchschnitt 30°C)und hungrig habe ich dann den Zionsberg und mein Quartier, das Beit Joseph der Dormitio Abtei erreicht. Hier war ich sehr überrascht von den relativ großen Zimmern mit Dusche und WC, sowie einem kleinen Balkon. Daneben hat das Haus eine wunderbare Dachterasse mit Blick in den O, S, W Jerusalems - einfach herrlich! Gleich am Sonntag bin ich dann auch nach einem evangelischen Gottesdienst in der Erlöserkirche mit zwei Mitbewohnern durch die Altstadt gestiefelt und habe viele Eindrücke sammeln dürfen. Ganz egal ob das der Fleisch-Basar, in dem halbe Ziegen vor unseren Augen ausgenommen wurden, koptische Mönche mit ihrer sonderbaren Kleidung, orthodoxe steife Juden, der Schrei der Muezins von den Minaretten, kleine verwinkelte Gassen, jahrhundertealte Bauwerke, die vielen Stände und Läden waren - alles konfrontierte mich mit einer ganz anderen vielfältigen und einzigartigen Lebensweise und Mentalität. Irgendwie war und ist es komisch, aber das ganze bunte Treiben und Leben ist wie ein starker Magnet, der mich jede freie Minute in die Altstadt auf eine neue Entdeckungsreise zieht. Allerdings hat alles auch eine nicht erahnte und nie gedachte Seite: abends ist in der Altstadt absolut tote Hose. Einen Kneipenbummel wie zuletzt in Tübingen werde ich hier also nicht machen können, oder mich zumindest nach Alternativen umsehen müssen. Vermutlich habe ich in der Neustadt mehr Glück. Was sonst das Zusammenleben der unterschiedlichen politischen und religiösen Gruppen betrifft, bin ich noch zu uninformiert um richtige Schlüsse ziehen und Auskünfte geben zu können. Alles ist immer noch ein großes Puzzle in dem sich mehr und mehr Teile zusammen finden werden - doch hierfür werde ich noch viel Zeit brauchen.
Was das Studienjahr betrifft, starten wir sehr langsam und gemächlich in den Alltag. Im Vordergrund steht einfach im Moment noch das gegenseitige Kennenlernen und das langsame Vertrautwerden mit unserer unmittelbaren Umgebung. Morgen ist erst einmal eine Stadtrundfahrt geplant, die sicherlich interessant werden wird.
Das sollen meine ersten Eindrücke gewesen sein. Gerne werde ich bei Zeiten noch weitere Berichte hinzufügen und euch auf dem Laufenden halten.
Einen ganz herzlichen Gruß ins ferne Deutschland
Euer Georg

1 Kommentar:

chonkbaer hat gesagt…

moin georg,
hier is der helge, mit dem daniel schlunk dir ein "treffen in jerusalem" andrehen will... :)
freut mich, so einen zweiten kontakt zu "den anderen" zu knüpfen (mit claudia köckert hab ich schon gemailt).
bin sehr froh, dass meine ausreise nach israel am flughafen in berlin so leicht und ohne verhöre vonstatten ging...
bis hoffentlich bald mal,
helge