Dienstag, 13. Mai 2008

Das orthodoxe Osterfest in Bildern

orthodoxes Osterfest

Zu Gast beim orthodoxen Osterfest

Eine Woche nach dem jüdischen Passahfest wurde hier in Jerusalem vom 24.04.-27.04.08 das orthodoxe Osterfest gefeiert. Gerade aus dem Interesse an den Ostkirchen habe ich mir dieses Ereignis nicht entgehen lassen und bin bei verschiedenen liturgischen Feiern zu Gast gewesen, was sehr beeindruckend war. Denn einerseits durfte ich feststellen, wie ähnlich doch die ostkircklichen Liturgien zum Teil unseren westlichen Formen der röm-kath. und evang. Kirchen sind. Andererseits war ich fasziniert von der Lebendigkeit, Ernsthaftigkeit, Vielseitigkeit und Leidenschaftlichkeit wie dort miteinenader das Osterfest gefeiert wurde. Gerade in Bezug zur gelebten Gottesdienstform meiner eigenen ev. Kirche habe ich gemerkt, wie arm wir doch an Traditionen sind und wie schwer es uns fällt, auch liturgisch unsere Gefühle der Trauer und Freude im Kontext des Osterfestes zum Ausdruck zu bringen. Nach meiner eigenen Empfindung unterscheiden sich unsere ev. Ostergottesdienste nur wenig von sonstigen Gottesdiensten des Kirchenjahres, was ich mehr und mehr als großes Defizit ansehe, auch wenn sich langsam Veränderungen vollziehen. Nicht nur was die Ostkirchen betrifft, sondern auch von der röm.-kath. Kirche ist daher m.E. wieder einiges zu lernen und sogar zu übernehmen. Mittlerweile bin ich u.a. zu der Überzeugung gekommen, dass gerade der Glaube Symbole und Orte braucht, an denen er sich festmachen kann. Ein rein verinnerlichter Glaube reicht nicht vollkommen aus, auch wenn er ein großer Schatz ist. Nicht nur in Krisenzeiten ist es hilfreich, sich dieses Glaubens durch äußere Zeichen und Symbole zu vergewissern. Auch wenn vielleicht oftmals die Gefahr besteht, einen rein äußerlichen Glauben dadurch zu fördern. Als Beispiel für hilfreiche Symbolik will ich hier von röm.-kath. Seite das Aschekreuz als Symbol der Vergänglichkeit des Lebens nennen, das am Aschrmittwoch auf die Stirn zu Beginn der Fastenzeit gemalt wird. Oder auch das Weihwasser am Kircheneingang, das mit der Bekreuzigung an die eigene Taufe erinnern soll. Von orthodoxer Seite ist mir beim diesjährigen Osterfest, die Entzündung des heiligen Lichtes im Grab Jesu wichtig geworden. Nach der Trauer der Passionszeit geht dabei der Patriarch in das Grab und entzündet dort als Zeichen der Auferstehung und des Lebens das Licht, um es anschließend mit dem Ruf "der Herr ist auferstanden" nach draußen zu bringen und den wartenden Gläubigen weiter zu reichen. Mit seinem Ruf brach in der Grabeskirche ein unvorstellbarer Jubel aus. Die anwesenden Gläubigen vieler Konfessionen begannen zu klatschen, zu rufen, sich zu umarmen und über dieses Osterwunder zu freuen. Ein sehr eindrückliches Erlebnis für einen nüchternen Protestanten wie mich, der so etwas bisher noch nicht gesehen hatte.
Im Ganzen bin ich sehr froh, diese Vielseitigkeit gelebten Glaubens in verschiedener Hinsicht erlebt und auch persönlich z.T. verinnerlicht zu haben. Nicht weil ich zuletzt dadurch meine eigene protestantische Gottesdienstform in einem anderen Licht wahrnehmen konnte. Vielleicht werden meine abstrakten Beschreibung durch meine Fotos etwas deutlicher, die im nächsten Post zu finden sind.

Ende des Studienjahres

Am 20.04.08 ging unser Studienjahr an der Dormitio nach mehr als 8 Monaten zu Ende. Es war nicht nur für mich eine sehr prägende Zeit mit vielen Eindrücken, neuen Erfahrungen und persönlichen Veränderungen. So war es auch nicht verwunderlich, dass der Abschied von der Dormitio und von allen Teilnehmern schmerzvoll und traurig war. Mittlerweile sind die meisten schon wieder in Deutschland und studieren an den verschiedensten Universitäten weiter. Ich habe mich dazu entschieden noch eine Weile hier im Land zu bleiben und erst am 22.06. zurück nach Deutschland zu fahren. Diese mir hier verbleibende Zeit möchte ich zum Einen dazu nutzen, um auf alles Gewesene in Ruhe zurück zu schauen, meine Erfahrungen zu verarbeiten und langsam von dieser Stadt Jerusalem Abschied zu nehmen, die so wundervoll und aufreibend zugleich ist. Zum Anderen werde ich noch ein Praktikum bei einer jüdischen Einrichtung machen, die sich damit befasst eine Synagogengedenkbuchreihe herauszugeben. Darin soll das Schicksal aller deutscher Synagogen nachvollzogen werden, die der Reichskristallnacht zum Opfer gefallen sind. Das Praktikum wird nächste Woche beginnen und den Rest meiner verbleibenden Zeit in Anspruch nehmen. Da wir die Dormitio verlassen mussten, habe ich mir eine neue Bleibe auf dem Ölberg gesucht. Hier wohne ich jetzt auf dem Gelände des Auguste-Victoria-Hospitals, in einer rein arabischen Umgebung. Nicht nur zur Vertiefung meiner arabischen Sprachkenntnisse kann das nur von Vorteil sein.......

Montag, 14. April 2008

Samstag, 12. April 2008

Hebronexkursion

Auch wenn der Februar schon lange vorbei ist, möchte ich hier noch einen Bericht
nachreichen, den ich anlässlich unserer Hebronexkursion geschrieben habe:
Am Morgen des 8.02.08 machten wir uns in Begleitung von zwei Mitgliedern einer Menschenrechtsorganisation auf den Weg nach Hebron. Nicht nur die ergangenen Warnungen vor einer Begegnung mit aggressiven Siedlern zeigten uns, dass diese Exkusion nicht wie alle anderen werden sollte. Wir waren alle sehr gespannt auf diese Stadt, in der wie in vielen Städten Israels auch, die Religion für politische Zwecke mißbraucht wird. Einen ersten kurzen Halt machten wir auf der Siedlerstraße Richtung Hebron. Hier in einem fruchtbaren Gebiet machte uns unsere Führerin auf das Schicksal von 5 palästinensischen Dörfern aufmerksam, die durch den Bau der Mauer abgeschnitten worden sind. Der einzige Weg nach Betlehem führt durch einen Tunnel, der unter der Mauer verläuft und jederzeit wieder verschlossen werden kann. Wie auch sonst fordert auch hier der Mauerbau seine Opfer: fremdes Land wird annektiert, damit landwirtschaftliche Fläche entzogen und folglich die Lebensgrundlage bedroht. Hinzu kommt ohnehin, dass landwirtschaftliche Produkte aus den palästinensischen Gebieten nicht nach Israel importiert werden dürfen. Aber das nur am Rande.
Nachdem wir den Kontrollpunkt der Siedler passiert und ein Stück durch die jüdische Siedlung Quiryat Àrba gefahren waren, die direkt östlich an Hebron anschließt, hielten wir am Grab von Baruch Goldstein von dem gleich die Rede sein wird. Die Siedlung selbst wurde erst 1968 auf einen Vorschlag Allons hin aus sicherheitspolitischen Erwägungen in Betracht gezogen. Bereits 1970 wurde die Errichtung dieser Siedlung in der Westbank von der Knesset genehmigt und in Auftrag gegeben, so dass bereits 1971 die ersten 50 Familien dort einziehen konnten. Bis heute hat sich diese Siedlung weiter ausgedehnt. Am erwähnten Grab von Goldstein wurden wir in den Februar 1994 zurück versetzt. Damals tötete Baruch Goldstein, Mitglied der „Jewish Defense League“, innerhalb der Moschee der Machpelah-Höhle 29 Männer bevor er selbst getötet wurde. Mit dieser Tat löst er eine neue Kette der Gewalt in Hebron aus, der 26 Palästinenser und 9 Israelis zum Opfer fielen. Goldstein selbst wird heute wie ein Heiliger verehrt, was durch die folgende Grabinschrift sichtbar wird: „ Hier liegt der Heilige, Dr. Baruch Kappel Goldstein. Gesegnet sei die Erinnerung an den Gerechten und heiligen Mann. Möge Gott sein Blut rächen, der seine Seele den Juden widmete, der jüdischen Religion und dem jüdischen Land. Seine Hände sind unschuldig und sein Herz ist rein. Er wurde umgebracht als Märtyrer Gottes am 14.Adar, Purim, im Jahr 5754 (1994)“. Auch wenn auf den Knessetbeschluss hin, dass Gräber von Attentätern nicht verehrt werden dürfen, der umliegende Park zerstört wurde, so muss das Unverständnis über eine solche Verfälschung und einseitige Auslegung von geschehener Geschichte auf diesem Grabstein bleiben. Begleitet von zwei Siedlern, die uns unablässig beobachteten und Photos von unserer Gruppe machten setzte sich die Fahrt in die Altstadt von Hebron zur Machpelah-Höhle fort. Nach Gen 23 hat Abraham selbst die Höhle als Grab für seine Frau Sarah erworben. Neben Mamre und der Tatsache, dass Hebron einst die Hauptstadt Davids war, ist es wohl dieser Ort, der die religiös-nationalistischen Siedler nach Hebron als Begräbnisort der Erzväter getrieben hat. Streitigkeiten um diesen Ort, der auch von den Moslems verehrt wird, endeten in eine Teilung desselben. Während der Teil der Höhle mit den Gräbern von Isaak und Rebekka eine Moschee und von den Moslems erreichbar ist, sind die Gräber von Abraham, Sarah, Jakob und Lea mittlerweile in jüdischer Hand. Der ganze Bereich ist weiträumig vom israelischen Militär abgeschirmt und kontrolliert. Von diesen ersten Erlebnissen bedrückt setzten wir unseren Weg in Richtung der vier kleinen jüdischen Siedlungen Avraham Avinu, Beit Romano, Beit Hadassah und Tel Rumeida, die mitten in der palästinensischen Altstadt stehen, fort. Bereits 1968 liessen sich 60 Juden unter einem Vorwand in Hebron nieder und weigerten sich die Stadt wieder zu verlassen. Elf Jahre später gelang es einer Gruppe von 40 Frauen und Kindern sich im ehemaligen Krankenhaus Beit Hadassah anzusiedeln. Nach der Ermordung eines Siedlers im Januar 1981 besetzen weitere Siedler in der Nähe der Machpelah-Höhle fünf leerstehende Häuser, die fortan Avraham Avinu genannt werden. Ebenfalls 1981 zieht eine Jeshiva nach Beit Romano und 1986 beginnt auch der Siedlungsbau in Tel Rumeida. Seit Beginn der illegalen Niederlassung jüdischer Siedler ist die Gewalt nicht mehr zum Ende gekommen – sowohl von jüdischer wie von palästinensischer Seite. Die Siedler sind bis heute davon überzeugt, dass ganz Palästina den Juden von Gott gegeben sei. Demnach sehen sie den Staat Israel als Verkörperung des Willens Gottes, den es in seiner ganzen verheißenen Größe umzusetzen gilt – und das notfalls mit Gewalt. Um die Auseinandersetzungen zu unterbinden, wurde Hebron 1997 in zwei Zonen eingeteilt. In H1, 18 qkm groß, leben 120000 Menschen unter palästinensischer Hoheit. In H2, 4,3 qkm groß, dem ehemaligen Geschäftszentrum der Stadt leben 30000 Einwohner unter israelischer Militärhoheit. Das Militär ist nach wie vor mit einer großen Präsenz vertreten, um die Siedler zu schützen. Bei Übergriffen von Siedlern auf Palästinenser sehen sie oft tatenlos zu. Zu den Folgen solcher Schutzmaßnahmen gehören nicht selten Ausgangssperren, Verhaftungen, Schließung von Straßen, Kontrollen usw. Was das wirklich für die Einwohner von Hebron bedeutet, wird uns mit einem Gang durch die Shuhada-Street, der einstigen Geschäftsstraße Hebrons, deutlich. Wegen der nahegelegenen Siedlungen ist diese Straße für einheimische Palästinenser gesperrt. Wenn diese das Haus verlassen wollen, bleibt ihnen nur der Weg über ihre Dächer offen. Während ihrer Abwesenheit sind sie bleibend von der Angst geplagt, dass Siedler ihr Haus besetzten könnten. Doch nicht nur die Zugänge zur Straße sind verschlossen, sondern auch sämtliche Läden. Die ehemals belebt Marktstraße ist wie leer gefegt und verstummt. Viele Geschäfte reihen sich aneinander – doch ohne Waren und Kunden. Ihre Türschlösser sind zugegossen. Ein solches Bild des Grauens wird noch durch ein Siedlerplakat überboten, das die Altstadt zu jüdischem Besitz erklärt. Immer wieder wird von Seiten der Siedler an die Vertreibung und Ermordung von Juden aus Hebron im Jahr 1929 erinnert, um ihr hartes Vorgehen zu rechtfertigen. Ihrer Ansicht nach holen sie sich lediglich den Besitz zurück, der ihnen eh schon gehörte. Unterhalb von Tel Rumeida, im Haus von Hashem, einem Palästinenser, sehen wir wie sich eine Siedlung langsam ausdehnt. Zu Beginn werden Wohncontainer aufgestellt, der bald Häuser folgen. Auf die direkten Nachbarn wird ein regelrechter Psychoterror ausgeübt, um sie von ihrem Besitz zu vertreiben. Hashem erzählt wie die Siedler ihren Müll in seinen Garten werfen, seine Frau und Kinder schlagen, seine Ölbäume mit der Ernte vernichten, mit Steinen werfen, Drohrufe ausstoßen, bei Nachbarn die aufgebrochenen Häuser demolieren und Fensterscheiben einschmeißen. Das vieles der Wahrheit entspricht, zeigen selbstgedrehte Videos, die uns vorgeführt werden. Nicht nur sie vermitteln uns den Eindruck, dass das Leben in dieser Stadt von intolerantem Hass bestimmt ist, der ein Zusammenleben – das es übrigens über viele Jahrhunderte zwischen Moselms und Juden hier gegeben hat – unmöglich macht. Wir mussten erkennen, dass diese Stadt ein Opfer des religiösen Fanatismus geworden ist. Es bleibt die offene Frage, warum der israelische Staat dagegen nichts tut. Die Räumung der Siedlungen würde nicht nur das Konfliktpotential verkleinern, die eigenen Soldaten vor psychischen Schäden bewahren und das Leben für die Einheimischen wieder erträglicher machen, sondern auch viel Geld sparen, das momentan für die Sicherheit der Siedler benötigt wird. Doch vermutlich ist einerseits die Lobby der Siedler in Regierungskreisen und andererseits die Angst vor einem aufbrechenden „Bruderkrieg“ so groß, dass vorerst lieber an der momentanen Siedlungspolitik festgehalten wird. Von den einzelnen Berichten, Bildern und Erfahrungen bewegt und von der ausweglosen Situation erschüttert, machen wir uns auf den Rückweg zum Bus. Bei vielen klingen dabei immer wieder die Worte aus Lev 19, 33 f. in den Ohren, die eigentlich auch den nationalreligiösen Siedlern bekannt sein müssten: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.“

Samstag, 9. Februar 2008

Dezember und Januar im heiligen Land

Obwohl das Weihnachtsfest nun schon seit längerer Zeit vorbei ist, möchte ich euch dennoch nachträglich einen Einblick in meine vielen Erlebnisse geben, die ich hier mitnehmen durfte. Denn neben unserem lateinischen Festtagen durfte ich auch noch das orthodoxe Fest am 6.01., sowie das Tauffest am Jordan miterleben.
Erfreulicher Weise hatten wir über Weihnachten zwei Wochen Vorlesungspause und damit genügend Freiraum, diese Stadt und das ganze Land mal wieder ohne Lerndruck und Zeitmangel sehen zu können. Vor dem heiligen Abend ist es mir sehr schwer gefallen, hier in der Fremde das herannahende Weihnachtsfest innerlich auch zu verspüren. Nichts, was sonst immer wichtige Punkte der Adventszeit für mich gewesen waren, hatte ich in diesem Jahr hier in Jerusalem. Sowohl die geschmückten Straßen (im letzten Jahr Tübingens), die Weihnachtsstimmung, der wunderbare Stollen meiner Mutter und nicht zuletzt auch das häusliche Weihnachtszimmer mit Tannenbaum, Adventsstern, und anderen Dingen fehlten mir hier sehr. Denn während für uns lateinische Christen die Feiertage immer näher rückten, ging hier das Leben ohne Unterlass und in seinem Alltag weiter. Doch vieles änderte sich dann doch am heiligen Abend. Nachdem ich mit einigen Freunden in T-Shirt und Schlappen den Weihnachtsbaum zurecht schneiden und aufstellen durfte, freuten wir uns auf das gemeinsame Festessen an langen Tafeln am Abend in unserem Vorlesungssaal. Den ganzen Tag über hatten wir mit viel Hingabe versucht, die Räume so weihnachtlich wie möglich zu gestalten und das Weihnachtsoratorium durfte natürlich auch nicht fehlen. Endlich gegen 22.00 Uhr war es dann soweit, so dass ich mich mit einigen anderen auf den Weg in die deutschsprachig-lutherische Erlöserkirche machte, um den Weihnachtsgottesdienst mitzufeiern. Obwohl ich absolut erstaunt war, glich dieser doch unseren Gottesdiensten im heimatlichen Deutschland: der Kirchenraum war bis auf den Fußboden mit Menschen belegt, wovon die meisten säkulare junge Israelis waren, die sich diese christliche Attraktion nicht entgehen lassen wollten. Insgesamt war dieser Stunde am Weihnachtsabend sehr berührend für mich, zumal ich die altbekannten vertrauten Weihnachtslieder nun auch in Jerusalem mit Orgel und Trompetenbegleitung singen durfte und mich die ganze Stimmung sehr an zu Hause erinnerte. Nach Ende des Gottesdienste sollte aber der Abend noch nicht vorbei sein. Denn gegen 3.00 Uhr in der Nacht haben wir uns in einer kleinen Gruppe zu Fuß auf den Weg nach Betlehem gemacht, um wie die Hirten „die Geschichte zu sehen, die da geschehen ist“ (Lk 2, 15). Auch wenn ich nach dem nächtlichen Marsch etwas erschöpft war und wir relativ wenig Zeit hatten, um vor Ort wirklich zur Ruhe zu kommen, hat sich dieser Weg sehr gelohnt. Der obige Vers aus dem Lukasevangelium hat mich die ganze Zeit innerlich begleitet und mich persönlich sehr stark die Rolle der Hirten nachvollziehen lassen: am meisten ergriffen war ich von der Tatsache, wie aus Leuten, die ein beschwerliches Dasein führen durch die nächtliche Begegnung mit dem kleinen Kind in der Grippe fröhliche Menschen und Boten dieser wunderbaren Nachricht werden.
Doch das sollte nicht mein letztes Weihnachtserlebnis werden. Bereits m 6.01. war ich wiederum mit einigen anderen in Betlehem, um ein wenig vom orthodoxen Fest mitzuerleben. In aller Frühe in der Geburtskirche angekommen, waren wir zuerst Gäste einer katholischen Messe auf arabisch in der Geburtsgrotte. Auch danach war die Kirche nur von wenigen Gläubigen besucht und relativ ruhig. Auch wenn wir nach einiger Zeit auch noch einen Gottesdienst der griechischen Orthodoxen am Hauptaltar und parallel dazu einen Gottesdienst der Kopten am Nebenaltar miterleben durften. So sehr die Vielfalt des Christentums mich auch diesmal wieder berührte, so bedrückend habe ich sie doch empfunden. Tief frustriert hat mich, dass selbst an diesem Feiertag – der daran erinnert, dass der Heiland für alle Welt gekommen ist – ein gemeinsames Feiern dieses großen Wunders aufgrund der konfessionellen Spaltung undenkbar ist. Mehr und mehr trage ich mit mir seitdem die brennende Frage herum, ob wir auf diesem Weg ein gutes Zeugnis vor der Welt als Christen abgeben. Vermutlich wäre ich in dieser traurigen Haltung wieder nach Hause gefahren, wenn ich nicht noch Zeuge eines großen Umzugs in der Innenstadt gewesen wäre. Von großer Militär- und Polizeipräsenz umschirmt, zogen hintereinander verschiedene Spielmannszüge durch die Straßen. Alle waren mit bunten Uniformen, Trommeln und (zu meinem Verwundern) Dudelsäcken ausgestattet. Was sie jeweils unterschied war lediglich ihre Konfession, denn jeder Zug repräsentierte eine kirchliche Gemeinschaft: Zuerst kamen die Griechen, dann die Katholiken, Kopten und zuletzt die Syrer, die gleich ihren Patriarchen mitbrachten. Dieser wurde von allen gemeinsam zur syrischen Kirche in Betlehem begleitet – ein schönes Zeichen der Ökumene, das die vorherigen negativen Erlebnisse etwas relativierte.
Als drittes durfte ich am 19.01. beim diesjährigen Tauffest am Jordan mit dabei sein. Eigentlich nicht ungewöhnliches für einen Außenstehenden. Doch in Wirklichkeit sieht die Realität etwas anders aus: nur an diesem einen Tag ist der Zugang für die Christen direkt bis zum Jordan gestattet. Ansonsten ist er die abgeriegelte Grenze zwischen Jordanien und Israel. Deswegen war der Besuch auch für uns etwas besonderes. Neben uns kamen noch viele andere Christen zur Taufstelle. Die meisten, um einen syrischen Gottesdienst mitzufeiern und anschließend an den Jordan gelangen zu können. Wenn es von israelischer Seite aus schwieriger war, direkt an das Wasser zu gelangen, hatten die Gläubigen auf jordanischer Seite keine Einschränkung. Viele stiegen dort in weißen Taufkleidern zur Tauferinnerung in das schmutzige Jordanwasser hinab. Wie viele andere Situationen, war auch diese wiederum für Israel typisch: schwer bewacht von Militär und Polizei wurde am Jordan ein großes Volksfest mit Gottesdienst, Spielmannszug, Fröhlichkeit, Picknick gefeiert. Für mich als immer noch von außen Wahrnehmenden befremdlich und schön zugleich. Die Photos werden das vermutlich deutlich machen.....