Freitag, 14. Dezember 2007

Samstag, 8. Dezember 2007

Galiläa

Gerade von Galiläa zurück- und in die Adventszeit hineingekommen, möchte ich euch hier noch einige Erlebnisse von dieser letzten Exkursion schildern. Wie schon im Sinai waren wir wieder 10 Tage unterwegs, vom 12.-22.11. Es war sehr schön dem grauen und lauten Jerusalem un der tristen judäischen Wüste für ein paar Tage entfliehen und eine völlig andere Landschaft in Israel erkunden zu können. Obwohl der größte Teil von Galiläa ebenso hügelig ist wie die Gegend hier in Jerusalem, ist dort alles doch viel fruchtbarer, ruhiger und schöner. Gerade der See Genezareth, der ringsum von Bergen umgeben ist und etwas an den Bodensee erinnert, hat mich innerlich gefesselt und fasziniert. Wenn ihr euch die dazu gehörenden Photos anschaut, werdet ihr mich bestimmt verstehen können. Das Wetter war noch so warm, dass ich die Möglichkeit zum Baden hatte und auch darüber hinaus viel Zeit am Ufer verbringen konnte. Gerade die ruhigen Abendstunden, in denen der See meistens ganz still geworden ist und die gleichzeitigen Sonnenuntergänge waren fast unwirklich in ihrer Erscheinung. Vermutlich weil dieses friedliche Bild so gut wie gar nicht in die sonstigen Erlebnisse und Bilder hineinpasst, die ich während der letzten Monate gesammelt habe. Fast immer ist in der letzten Zeit der bestehende Konflikt und die gespannte Lage hier im Nahen Osten so spürbar gewesen, dass ich mich innerlich davon kaum distanzieren konnte, sondern mich selbst in dieses Spannungsverhältnis hineinbegeben musste - ob gewollt, oder ungewollt. Ein Beispiel sei hier nur die israelische Wasserpolitik, die doch so unmittelbar und unfriedlich mit diesem See zusammenhängt. Die Israelis haben zur Versorgung des ganzen Landes mit Trinkwasser bereits vor einigen Jarhrzehnten den sogenannten "water carrier" gebaut, ein weit verzweigtes Leitungssystem, das im See Genezareth entspringt. Einerseits eine Höchstleistung angesichts der sehr trockenen Gebiete im sonstigen Israel, die darauf absolut angewiesen sind. So ist es sogar möglich, selbst in der Wüste Bananenstauden zu pflanzen, die sehr viel Wasser benötigen. Doch andererseits ein grundsätzliches Problem, weil so viel Wasser gefördert wird, dass das Tote Meer zusehends vertrocknet und kaum noch Wasser den Jordan hinunter fließt. Das wiederum hat schlimme Auswirkungen auf die Versorgung der West Bank mit Trinkwasser. Obwohl diese direkt am Jordan liegt, ist sie auf die Versorgung über israelische Wasserleitungen angewiesen. In Israels Ermessen liegt es nun wiederum über die Menge an Wasser zu entscheiden, das die West Bank erreichen soll und natürlich auch über den Wasserpreis. 10% der dortigen Bewohner sind bis heute an kein Fließwassersystem angeschlossen. Darüber hinaus werden in Israel 330 l durchschnittlich am Tag verbraucht, während es in der West Bank lediglich 60 l sein können. Vielleicht könnt ihr an diesem Beispiel etwas nachvollziehen, wie eng selbst die Umwelt mit der Tagespolitik verbunden ist.
Doch zurück zum Eigentlichen: Wir hatten das Glück direkt am Westufer in Tabgha, das in der Nähe von Kapernaum liegt, bei den Benediktinern für diese Zeit wohnen zu können. Tagsüber waren wir sehr viel mit dem Bus unterwegs und haben die wichtigsten Orte und archäologische Ausgrabungen besuchen können, was im Ganzen sehr interessant war. Einerseits durfte ich mich als Reiseführer etwas erproben, indem ich unserer Gruppe in drei Synagogen die dortigen Zodiakmosaike verdeutlichen sollte. Andererseits war es spannend, die vielen Berichte in den Evangelien über Jesu dortiges Wirken und Leben auf eine ganz neue und lebendige Art und Weise lesen und verstehen zu können. Am schönsten war wohl in dieser Hinsicht ein freier Tag, den ich auf dem Berg der Seligpreisungen verbracht habe. Und obwohl auch in diesen Orten viele Touristen unterwegs sind, war doch überall eine ruhige und wohltuende Atmosphäre zu spüren. Teilweise kam es mir wirklich so vor, einige Tage im Urlaub und nicht auf einer wissenschaftlichen Exkursion unterwegs zu sein, was nach der stressigen Zeit vorher in Jerusalem ein guter Ausgleich war.
Auch wenn mit unserer Rückkehr nach Jerusalem schon wieder einiges an Arbeit auf mich gewartet hat, bin ich doch froh mittlerweile einen großen Teil hinter mich gebracht zu haben und somit jetzt auch etwas Zeit zu finden, mich mit der Adventszeit auf Weihnachten einzustimmen. Sogar mein Zimmer habe ich inzwischen etwas geschmückt - genau genommen mit zwei Strohsternen und einem Transparent.....:) Doch wie sagte mir neulich eine Kindergärtnerin: Advent muss es nicht um uns herum, sondern in uns werden.....
In diesem Sinne grüße ich euch alle ganz herzlich aus Jerusalem!